Umfrage: KI im Arbeitsalltag - wo KMUs wirklich stehen

Inhaltsverzeichnis
- Warum wir diese Umfrage gemacht haben
- Methodik: So sind wir vorgegangen
- Erkenntnis zum Nutzungsverhalten
- KI im Arbeitsalltag: Der pragmatische Tool-Mix
- KI ist (noch) ein Content-Werkzeug
- Der blinde Fleck - EU AI Act
- Was KMUs konkret beschäftigt
- Fazit: weder Hype noch Skepsis
- KI auf Websites im Arbeitsalltag
- Häufige Fragen
Warum wir diese Umfrage gemacht haben
Wenn wir uns in unserer Bubble auf LinkedIn und Tech-Plattformen informieren, entsteht schnell ein verzerrtes Bild über KI im Arbeitsalltag. Dort wird über Agents, Retrieval Augmented Generation (RAG) und Fine-Tuning von Sprachmodellen diskutiert, als wäre das längst Standard. Klar, die technischen Möglichkeiten sind da. Aber sie helfen nur dann, wenn sie zu unseren Kund:innen passen - zu deren Verständnis, deren Bedarf, deren Tempo.
Wir wollten wissen, wo unseren Kund:innen mit dem Einsatz und dem Umgang von KI im Arbeitsalltag wirklich stehen, was sie brauchen, womit sie sich aktuell beschäftigen. Nicht, um Sie einzuordnen, sondern um Agenden und Funktionen zu identifizieren, die tatsächlich hilfreich und sinnstiftend sind.
Methodik: So sind wir vorgegangen
Am 05. Mai 2026 haben wir per E-Mail zu einer anonymen Umfrage über KI im Arbeitsalltag eingeladen. Angeschrieben wurden 106 ausgewählte Bestandskund:innen, die praktisch noch keine KI direkt in die Website integriert haben - überwiegend KMUs mit Joomla-Websites aus Österreich. 55 haben vollständig geantwortet. Das entspricht einer Rücklaufquote von 52 % - ein Wert, der für Online-Umfragen außergewöhnlich gut ist und für den wir uns sehr bedanken. Alle Antworten wurden anonym und DSGVO-konform erhoben.
Die Fragen:
- Nutzen Sie bereits KI-Tools in Ihrem Arbeitsalltag
- Welche KI-Tools haben Sie schon verwendet?
- Ist Ihnen der EU AI Act bekannt?
- Bei welchen Aufgaben würde KI für Sie den größten Unterschied machen?
- Gibt es zum Thema KI etwas, das Sie beschäftigt oder interessiert? (Freitextfeld)
Unser Ziel: Wo stehen unsere Kund:innen grundsätzlich beim Thema KI? Als Basis dafür, was sich davon künftig auf die Website übertragen lässt.
Rücklauf: 55 vollständig ausgefüllte Fragebögen (52% Rücklaufquote)
Durchschnittliche Bearbeitungszeit: unter 2 Minuten
Zielgruppe: Geschäftsführer:innen, Marketing-Verantwortliche, IT-Leiter:innen in österreichischen KMUs
Erkenntnis zum Nutzungsverhalten
KI ist kein Zukunftsthema mehr - und auch kein Privileg großer Tech-Unternehmen. Sie ist im Alltag österreichischer KMUs angekommen, denn in Summe zeigen sich 80% aktive Nutzer:innen.
13% "Verweigerung" sind dennoch eine relevante Minderheit.
- 44 % unserer Kund:innen nutzen KI-Tools regelmäßig
- 36 % gelegentlich
- 7% haben experimentiert
- 13 % haben noch gar nichts ausprobiert
Frage: Nutzen Sie bereits KI-Tools in Ihrem Arbeitsalltag?

Wenn Sie zumindest experimentieren, sind Sie in guter Gesellschaft. Spätestens jetzt ist aber ein guter Zeitpunkt, das Thema strukturiert anzugehen.
KI im Arbeitsalltag: Der pragmatische Tool-Mix
Wir haben Kund:innen gefragt, welche Tools sie nutzen - Mehrfachnennungen waren möglich. Das Ergebnis:
- ChatGPT: 87 %
- Google Gemini: 47 %
- Microsoft Copilot: 27 %
- Andere: 18 %
- Claude: 16 %
- Perplexity: 16 %
- Mistral: 11 %
Im Schnitt nutzt jede:r aktive Nutzer:in 2,4 verschiedene Tools. Nur 23 % verlassen sich ausschließlich auf ChatGPT. Die deutliche Mehrheit kombiniert. 18 % nennen sogar „Andere" - die Landschaft ist also breiter als die sieben abgefragten Optionen.
Ein Hinweise: In dieser Umfrage haben wir nicht abgefragt, wofür die einzelnen Tools eingesetzt werden. Ob jemand Gemini gezielt für Recherche nutzt oder einfach „auch mal probiert" hat - das wissen wir nicht. Auch nicht, wie versiert eine KI im Arbeitsalltag tatsächlich eingesetzt wird.
Frage: Welche KI-Tools haben Sie schon verwendet?
Anzahl der Nennungen bei 55 Befragten, Mehrfachauswahl möglich.
Ein pragmatischer Tool-Mix bietet Vergleichsmöglichkeit und baut Berührungsängste ab. Die besten Voraussetzungen, damit KI künftig strukturiert in eine Website einziehen kann - als Chatbot, als Übersetzungs-Layer, als Such-Engine...
KI ist (noch) ein Content-Werkzeug
Wo würde KI den größten Unterschied machen? Bis zu drei Antworten waren möglich:
- Texte erstellen/überarbeiten: 84 %
- Texte übersetzen: 53 %
- Prozesse automatisieren: 44 %
- Bilder generieren: 27 %
- E-Mails schneller beantworten: 20 %
KI ist für KMUs vor allem dort interessant, wo Text/Content entsteht. Das passt zum Tool-Mix: ChatGPT, Gemini, Copilot, Claude. Prozessautomatisierung ist der nächste logische Schritt - weg vom „Ich tippe einen Prompt ein und kopiere die Antwort zurück", hin zu Workflows mit KI als festem Bestandteil. Bilder, also visueller Content, ist offenbar relevanter als E-Mail-Effizienz. Vielleicht, weil E-Mails ohnehin oft mit Vorlagen funktionieren, während gute Bilder bisher Aufwand und/oder Geld gekostet haben.
Kurzer Hinweis dazu: Wer KI-Bilder einsetzt, sollte das Thema Urheberrecht im Hinterkopf behalten. Die Rechtslage ist in Bewegung - wer hat die Rechte am generierten Bild, was passiert mit Trainingsdaten, was gilt für die kommerzielle Nutzung? Hier lohnt sich ein zweiter Blick, bevor das KI-Bild auf Website oder Social Media landet. Dazu folgt ein eigener Beitrag.
Frage: Bei welchen Aufgaben würde KI für Sie den größten Unterschied machen?
Anzahl der Nennungen bei 55 Befragten, Mehrfachauswahl möglich.
Wer KI bisher nur fürs Texten verwendet, nutzt vermutlich nur einen Bruchteil des Potenzials. Der nächste Schritt sind oft Übersetzungs-Workflows oder kleine Automatisierungen.
Lesen Sie dazu: KI und Joomla-Websites - Was ist heute schon möglich?
Der blinde Fleck - EU AI Act
Hier wird's kritisch. Wir haben gefragt: Kennen Sie den EU AI Act?
- 22 % haben sich aktiv damit beschäftigt
- 45 % wissen „ungefähr" worum es geht
- 33 % kennen den EU-AI Act nicht
Anders ausgedrückt: Fast acht von zehn unserer Kund:innen kennen den EU AI Act nicht oder nur vage - obwohl er seit 2024 in Kraft ist und schrittweise scharfgestellt wird.
Das ist problematisch, weil der AI Act nicht nur Konzerne betrifft. Sobald KI-Funktionen eingesetzt werden, die mit Kund:innen interagieren sind Unternehmen betroffen. Transparenzpflichten, Kennzeichnungen und Risiko-Klassifizierungen sind geltendes Recht, keine schnöde Theorie.
Auch wer KI „nur" intern nutzt, sollte die Grundzüge kennen. Spätestens wenn KI-generierte Inhalte veröffentlicht werden, Mitarbeiter:innen mit KI arbeiten oder Drittanbieter-Tools wie ChatGPT mit Kundendaten gefüttert werden, wird das Thema relevant.
Frage: Der EU AI Act regelt seit 2024 den Umgang mit Künstlicher Intelligenz in Europa. Ist Ihnen das Thema bekannt?

Fakt: Sie sollten die Grundzüge des EU AI Acts kennen, bevor Sie KI strukturierter einsetzen.
Lesen Sie dazu: EU AI Act: Was Ihr Unternehmen jetzt wissen muss
Was KMUs konkret beschäftigt
33 % der Teilnehmer:innen haben das offene Textfeld genutzt - ein hoher Wert, der zeigt: Es gibt Gesprächsbedarf. Drei Themen kamen besonders häufig:
Datenschutz und Compliance
Mehrfachnennungen zu Datenschutz, Datensicherheit und Copyright. Auffällig: Mehrere Ärzt:innen (das entnehmen wir dem Wording der Freitexte) haben das Thema explizit angesprochen, mit Bezug auf Patient:innendaten und berufsspezifische Verschwiegenheitspflichten.
Verlässlichkeit
„falsche Antworten", „fehlende Transparenz", „unberechenbar". Halluzinationen sind kein Tech-Buzzword, sondern eine echte Sorge im Arbeitsalltag.
Gesellschaft und Ethik
Arbeitsplätze, Deepfakes, Ressourcen- und Klimaverbrauch. Auch das politische Framing taucht auf: „Gibt es ein politisch korrektes Tool?"
Positiv: Mehrere Teilnehmer:innen schreiben, dass sie aktiv lernen, prompten, sich für Agents interessieren. Eine Antwort fasst die Stimmung gut zusammen: „Ist ein wichtiger Sparring Partner für mich."
Datenschutz, Halluzinationen, gesellschaftliche Folgen - das beschäftigt viele und geht uns alle etwas an.
Fazit: weder Hype noch Skepsis
Die Umfrage zeichnet ein differenziertes Bild - keine pauschale Euphorie, keine generelle Skepsis:
KI ist Alltag geworden. 80 % nutzen KI, viele davon regelmäßig und mit mehreren Tools parallel.
Der Einsatz ist content-getrieben. Texten, übersetzen, Bilder generieren - das ist die Realität.
Tech-Welt und Praxis bewegen sich auf unterschiedlichen Ebenen - beide mit gutem Grund. Während die Technik-Community Agents, RAG und Fine-Tuning vorantreibt und damit die Grundlagen für das schafft, was in ein paar Jahren Standard sein wird, sind (sicher nicht nur unsere) Kund:innen dort, wo der konkrete Nutzen entsteht: beim Ausprobieren, Vergleichen, Einordnen. Beides gehört zusammen.
Der EU AI Act ist die offene Flanke. 78 % kennen ihn nicht oder kaum. Das wird zum Problem, sobald KI-Funktionen kund:innennah eingesetzt werden.
Zum Abschluss: Niemand muss mit allem mithalten. Es gilt herauszufinden, was für die eigene Arbeit und Website sinnvoll ist - in der richtigen Reihenfolge: erst die Grundlagen, dann die Tools, dann die Integration.
KI auf Websites im Arbeitsalltag
Eine KI-Integration funktioniert nur, wenn sie zur Reife der Nutzer:innen passt - und damit meinen wir nicht nur Website-Betreiber:innen, sondern auch deren Besucher:innen.
Ein Chatbot, der Kund:innenanfragen beantwortet, bringt nichts, wenn niemand ihm vertraut - oder wenn er Antworten gibt, die rechtlich heikel sind.
Eine KI-gestützte Suchfunktion schöpft ihr Potential nur dann aus, wenn Sie intern einschätzen können, ob die Ergebnisse stimmen.
Eine automatische Übersetzung von Inhalte spart enorm Zeit - aber wer haftet, wenn bspw. medizinische Fachbegriffe falsch interpretiert werden?
Die Umfrage zeigt: Der Boden ist da. Acht von zehn unserer Kund:innen haben praktische KI-Erfahrung. Das ist die Grundlage, auf der wir aufbauen können. Was jetzt folgt, sind die nächsten konkreten Schritte - beim Verständnis (EU AI Act, Datenschutz, Urheberrecht), bei den Tools (welches passt zu welchem Anwendungsfall) und bei der Integration (welche KI-Funktionen lohnen sich tatsächlich).
Dazu folgen in den kommenden Wochen eigene Beiträge.
Wir freuen uns auf den Weg und sagen "Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe!"
Häufige Fragen
Wie groß ist die Stichprobe und ist sie repräsentativ?
Die Aussendung gelangte an 106 ausgewählte Bestandskund:innen - überwiegend KMUs mit Joomla-Websites aus Österreich. 55 haben vollständig geantwortet. Im statistischen Sinn ist das zwar nicht repräsentativ für „die österreichische Wirtschaft". Aber: Es ist ein klarer Querschnitt (52% Rücklaufquote) durch unsere Zielgruppe und damit ein verlässlicher Indikator für KMUs in vergleichbarer Größe und Struktur.
Warum war ChatGPT so dominant?
ChatGPT war das erste KI-Tool mit massentauglicher Bedienung, ist kostenlos verfügbar und hat den höchsten Bekanntheitsgrad. Wichtig: Die Dominanz heißt nicht, dass die meisten nur ChatGPT nutzen. Im Gegenteil - im Schnitt setzen unsere Kund:innen 2,4 Tools parallel ein. ChatGPT ist das dominierende Tool, aber bei Weitem nicht das einzige.
Wie genau betrifft mich der EU AI Act?
Das hängt davon ab, wie und wo Sie KI einsetzen. Reines Texten in ChatGPT für interne Zwecke fällt anders aus als ein KI-Chatbot auf Ihrer Website. Sobald KI-Systeme mit Kund:innen interagieren, gelten Transparenz- und Kennzeichnungspflichten. Erste Informationen gibt es hier: EU AI Act: Was Ihr Unternehmen jetzt wissen muss
Darf ich Kundendaten in ChatGPT eingeben?
Pauschal: Nein. Die kostenlose Version von ChatGPT speichert Eingaben und kann sie zum Training nutzen. Für DSGVO-konforme Nutzung brauchen Sie eine Business-/Enterprise-Variante mit Datenverarbeitungsvertrag oder Alternativen wie Microsoft Copilot in der Business-Umgebung.
Was empfehlen Sie als ersten Schritt für jemanden, der noch gar nicht mit KI gearbeitet hat?
Einen Account bei ChatGPT und/oder Claude anlegen und ein bis zwei reale Aufgaben aus dem Alltag damit lösen. Zum Beispiel einen komplexen E-Mail-Entwurf, eine Übersetzung, Inhalte für eine Präsentation erstellen. Dann beobachten und Ergebnisse vergleichen. Mehr braucht's für den Einstieg nicht.




