Update März 2026: Zwei Jahre sind eine lange Zeit in der KI-Welt. Als dieser Artikel entstand, war ChatGPT gerade ein paar Monate alt. Heute ist KI in den meisten Unternehmen kein Thema mehr, das man beobachtet — sondern eines, das man managt. Für jede der damals beschriebenen Entwicklungen gibt es inzwischen konkrete Werkzeuge, erste Erfahrungen aus der Praxis — und einen neuen rechtlichen Rahmen, den die EU gesetzt hat. Wir haben die einzelnen Abschnitte daher um ein Update ergänzt.
Personalisierte Erfahrungen
Seit Jahren wird KI in Websites eingesetzt, um personalisierte Website-Erfahrungen zu ermöglichen. Neue Machine Learning-Algorithmen werden das Userverhalten künftig mehr und mehr analysieren. Auf Grundlage dieser Daten werden Unternehmen in der Lage sein neue Produkte zu entwickeln und Angebote/Inhalte noch spezifischer an Nutzer:innen ausspielen zu können.
Das mag in Bezug auf schnöde Session-Cookies in einem Online-Shop für Geschenkartikel verlockend klingen. Social Data Science in Kombination mit politischen Interessen erzeugt hingegen spontanes Unbehagen. Vergessen wir aber nicht, dass uns diese Errungenschaft auch Fragen in Bezug auf andere gesellschaftsrelevante Themen beantworten kann.
- öffentliche Gesundheit
- Sicherheit
- Umwelt
Die Jahre der Pandemie und die aktuelle Energiekrise zeigen hierfür einen deutlichen Bedarf an der Aufbereitung komplexer Datenmuster und ihrer Zusammenhänge.
Stand 2026: Personalisierung ist Realität — und reguliert
Was 2023 noch wie ein Versprechen klang, ist heute Alltag: KI-gestützte Personalisierung steckt in Empfehlungssystemen, in Suchergebnissen, in automatisch ausgespielten Inhalten. Auch für kleine Websites gibt es längst Tools, die Inhalte auf Basis von Nutzerverhalten anpassen.
Gleichzeitig hat die EU klare Grenzen gezogen. Der EU AI Act, der seit August 2024 in Kraft ist, verbietet ausdrücklich den Einsatz von KI zur Verhaltensmanipulation — also den Versuch, Menschen durch technische Mittel zu Entscheidungen zu drängen, die sie ohne diesen Einfluss nicht treffen würden. Auch biometrische Kategorisierungssysteme, die sensitive Merkmale wie politische Überzeugungen oder ethnische Zugehörigkeit nutzen, sind verboten.
Für Unternehmen bedeutet das: Personalisierung ja — aber transparent und im Rahmen der Regeln. Was der AI Act konkret für Ihren Website-Einsatz bedeutet, haben wir in einem eigenen Artikel zusammengefasst: EU AI Act: Was Ihr Unternehmen jetzt wissen muss →
Chatbots
Chatbots sind eine weitere Anwendung von KI in Websites. Sie können dazu verwendet werden, um Nutzeranfragen zu beantworten und Support bereitzustellen. Chatbots können mithilfe von Machine Learning trainiert werden, um menschenähnliche Konversationen zu führen.
Wer schon mal einen Chatbot genutzt hat, weiß vermutlich auch um die Frustration über vorgefertigte Antworten oder Missverständnisse. Wo die Daten des Chats gespeichert sind, wie sie weiterverarbeitet werden oder ob die Antworten vertrauenswürdig und richtig sind, hinterfragt Otto-Normaluser selten bis nie. Chatbots bergen ein großes Potential für Datenschutzverletzungen und unethischem Verhalten.
Doch je mehr Daten gespeichert werden, desto schneller lernt die KI und umso verlässlicher hinsichtlich der Richtigkeit und Vollständigkeit von Aussagen können Chatbots den Nutzern dienen.
Immer mehr Unternehmen werden daher künftig in der Lage sein Supportanfragen abzuwickeln, Lagerstände in Echtzeit bereitzustellen und Lieferzeitprognosen abzugeben. Und das:
- in Echtzeit - 24x7
- personalisiert
- ohne zusätzlichen Personalaufwand
- weltweit
Stand 2026: Vom Hype zur nüchternen Einschätzung
Die Frustration über vorgefertigte Antworten, die wir 2023 beschrieben haben, ist nicht verschwunden — aber die Technologie dahinter hat sich fundamental verändert. Moderne KI-Chatbots basieren auf großen Sprachmodellen und können tatsächlich sinnvolle Konversationen führen.
Trotzdem bleibt unsere Einschätzung für die meisten KMU-Websites: Ein guter FAQ-Bereich und einfache Kontaktmöglichkeiten sind in vielen Fällen die bessere Investition als ein Chatbot. Wer es trotzdem angehen möchte, sollte auf selbst gehostete Lösungen setzen — damit behalten Sie die Kontrolle darüber, was der Bot sagt, und es werden keine Kundendaten an externe Dienste übertragen.
Wie das konkret in einer Joomla-Website aussieht — inklusive einer ehrlichen Einschätzung von Aufwand und Alternativen — beschreiben wir ausführlich in: KI und Joomla-Websites: Was heute schon möglich ist →
Analyse von Nutzerverhalten
Die Analyse des Nutzerverhaltens durch KI in Websites ist ein wichtiger Bestandteil des Website-Designs und der -Optimierung. Auch strategische Geschäftsentscheidungen werden weiterhin von Daten geprägt sein und von jenen Menschen, die sie richtig zu interpretieren wissen.
Stichwort: Data-driven decision-making
Zuverlässige Aussagen brauchen allerdings auch große Mengen an Daten und das kann aufwändig und teuer werden. Kleine und mittelständische Unternehmen werden sich rasch Gedanken machen müssen, nicht ob sondern wie sie gewonnene Nutzerdaten durch den Einsatz von KI in Websites verwenden.
- Kundenbindung
- Nischenmärkte
- Prozessoptimierung
Neben strategischen Entscheidungshilfen können Nutzerdaten nämlich auch Einsparungspotentiale aufzeigen (z.B. in der Abfallvermeidung, bei Versandoptionen, Zahlungsmethoden) bzw. Basis für eine flexiblere Auslegung und Anpassung von Unternehmensprozessen sein. Denn Daten sind immer eine Momentaufnahme und zeigen nicht die Zukunft.
Stand 2026: Daten ja — aber mit Hausverstand
Die Fähigkeit, Nutzerdaten auszuwerten, ist heute technisch einfacher zugänglich als je zuvor. KI-gestützte Analyse-Tools sind günstiger geworden, viele Website-Plattformen bringen Grundfunktionen schon mit.
Was sich nicht verändert hat: Die Qualität der Entscheidungen hängt immer noch an den Menschen, die die Daten interpretieren. Und die rechtlichen Rahmenbedingungen — DSGVO und nun ergänzend der EU AI Act — machen klar, dass nicht jede technische Möglichkeit auch erlaubt ist. Wer Nutzerdaten für automatisierte Entscheidungen verwendet, die Menschen betreffen — etwa bei Kreditvergabe oder Personalauswahl — bewegt sich im Bereich Hochrisiko-KI und muss das entsprechend dokumentieren und prüfen.
Für Ihre Website empfehlen wir: Fangen Sie mit dem an, was tatsächlich Entscheidungen erleichtert — und holen Sie sich im Zweifel Rat, bevor Sie Tools einsetzen, deren rechtliche Einordnung unklar ist.
Personalisierte Suche
Personalisierte Suche durch KI in Websites ermöglicht es Suchergebnisse individuell auf den Benutzer abzustimmen. Die Idee dahinter ist, dass durch die Analyse des Suchverlaufs, des Nutzerverhaltens und anderer Daten die Suchergebnisse genauer auf die Bedürfnisse und Interessen des einzelnen Benutzers zugeschnitten werden können.
Basieren ausgespielte Ergebnisse allerdings ausschließlich auf früheren Suchen, wird ihre Vielfalt auch stark eingeschränkt. Zudem besteht die Möglichkeit, dass die personalisierte Suche auf falsche Annahmen basiert und falsche Ergebnisse liefert.
Andererseits entlastet die personalisierte Suche von irrelevanten Ergebnissen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die personalisierte Suche Benutzer:innen dazu ermutigen kann, mehr Zeit auf einer Website oder in einer App zu verbringen, da sie relevante Ergebnisse schneller finden.
Stand 2026: KI verändert, wie Menschen suchen — und was das für Ihre Website bedeutet
2023 meinten wir mit „personalisierter Suche" noch Google-Algorithmen, die Ergebnisse auf Basis von Suchverlauf anpassen. Das ist heute nur noch ein Teil der Geschichte. Immer mehr Menschen suchen nicht mehr mit Stichwörtern in einer Suchmaschine — sie stellen Fragen an KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini und bekommen direkte Antworten. Diese Systeme zitieren Quellen — oder eben nicht.
Für Unternehmen bedeutet das: Es reicht nicht mehr, bei Google sichtbar zu sein. Ihre Website muss auch als verlässliche Quelle für KI-Systeme erkennbar sein. Strukturierte, klar formulierte Inhalte mit qualifizierter Autorenschaft sind dafür die wichtigste Grundlage. Interessant dazu: Über Sichtbarkeit in Google – und in KI-Antworten (LLMO / GEO) →
Cyber-Sicherheit durch KI in Websites
KI in Websites kann auch zur Verbesserung der Cyber-Sicherheit eingesetzt werden. Machine Learning-Algorithmen können
- schnell große Datenmengen analysieren
- Anomalien im Netzwerkverkehr, in Benutzeraktivitäten oder Systemprotokollen erkennen
- automatisch auf Angriffe reagieren und Gegenmaßnahmen einleiten
- Schwachstellen in der Infrastruktur identifizieren um Ausfälle zu verhindern und Schaden zu minimieren
- Bedrohungen vorhersagen, in dem sie Muster und Trends identifizieren
- die Arbeitslast für IT-Sicherheitsteams reduzieren
Es ist nachvollziehbar, dass gerade diese Entwicklung im Bereich künstlicher Intelligenz von Manipulationsbefürchtungen und der Angst vor Kontrollverlust begleitet ist. Es ist wichtig, dass Organisationen alle Bedenken berücksichtigen und sicherstellen, dass sie geeignete Maßnahmen ergreifen, damit KI in Websites sicher und effektiv eingesetzt werden.
Stand 2026: KI ist effektiver — der Missbrauch folgt
Die Möglichkeiten, die wir 2023 für KI in der Cyber-Sicherheit beschrieben haben, sind eingetreten. KI erkennt Anomalien schneller, analysiert Bedrohungsmuster und entlastet IT-Teams. Die Kehrseite: Auch Angreifer nutzen KI. Phishing-Mails, die früher leicht an holprigem Deutsch zu erkennen waren, sind heute überzeugend formuliert und personalisiert.
Deepfakes machen es schwerer, Identitäten zu verifizieren. Die Bedrohungslage ist nicht kleiner geworden — sie ist professioneller. Besonders Frauen und Kinder sind davon betroffen: durch gefälschte, intime Darstellungen, die ohne ihr Wissen und ohne ihre Zustimmung erstellt und verbreitet werden. Das ist kein abstraktes Risiko — es trifft reale Menschen, zerstört ihre Lebensgrundlage, verursacht enormen psychischen Schaden und ist in vielen Fällen strafrechtlich relevant.
Wir arbeiten täglich mit KI-Technologien und sehen ihr Potenzial. Aber wir stehen ohne Vorbehalt auf der Seite derer, die vom missbräuchlichen Einsatz betroffen sind. Ein derartiger Eingriff in die Würde eines Menschen hat in einer zivilisierten Gesellschaft keinen Platz.
Was das für jede:n von uns bedeutet: Regelmäßige Updates, sichere Passwörter und ein achtsames Miteinander sind wichtiger denn je. Und: Bleiben wir skeptisch gegenüber unerwarteten Nachrichten, auch wenn sie auf den ersten Blick glaubwürdig aussehen — mit KI kann jede:r imitiert werden.
Hilfe und weiterführende Informationen für Betroffene: Cyber-Mobbing mit Deep Fakes: Wie man sich dagegen wehren kann (onlinesicherheit.at)




