Designs, egal in welcher Branche, werden oft von ausgerufenen Trends getriggert. Einmal pro Jahr hĂ€ufen sich zum Beispiel Logos, Raumdekor und Strickpullover in Anlehnung an die Pantone Farbe des Jahres. Den Konsument:innen gefĂ€llts, denn die wollen was angesagt ist. Auch Webdesigner:innen folgen artig. 

So hat der Ruf nach Minimalismus und Klarheit in den letzten Jahren viele - bewusst karge - Onepager* hervorgebracht. Leider verfehlen die meisten davon ihr Ziel im Google Ranging.

Eine Ă€hnliche Geschichte erzĂ€hlt der Einsatz von Parallax Scrolling* im Webdesign. Ist die technische Umsetzung fehlerhaft leidet die Performance auf mobilen GerĂ€ten und der Überraschungseffekt wird zum Ausstiegsszenario.

Vergessen wir, auch als Webdesigner:innen also bei aller Begeisterung fĂŒr einen Trend bitte nicht:

Eine erfolgreiche Webseite soll . . .

  • . . . möglichst viele Besucher:innen anlocken und halten(!)
  • . . . Kundschaft generieren
  • . . . ErwartungsmĂ€ĂŸigen Umsatz erzielen
  • . . . Bei Google gefunden werden
  • . . .

Bei aller Begeisterung fĂŒr neue Trends:
Die Form folgt der Funktion.

5 Dinge, die uns besonders gut gefallen

Auf der Suche nach praktikablen Trends haben wir befreundete Webdesigner:innen befragt, frech bei der Konkurrenz gespechtelt, in Hochglanzmagazinen gestöbert und sind auf 5 Dinge gestoßen, auf die wir uns 2022 freuen.

1) Layouts: Symmetrie und Rahmen, Baby!

Die willkommene Korrektur des minimalistischen Ansatzes. Webdesigner:innen freuen sich ĂŒber mehr Struktur statt Verzicht. Usability und Balance entstehen ab sofort durch ausgeklĂŒgelte Designraster, zarte Trennlinien und symmetrische Anordnung von Texten und Bildern. Und Rahmen – endlich wieder Rahmen! FĂŒr Bilder, Texte und SchaltflĂ€chen. Beispiel von tumult.online

 Webseite von tumult.online, die ein symmetrisches Layout mit ĂŒberlappenden, schwarzen Rahmen und 90er Jahre Grafik zeigt.

2) Illustrationen und Grafiken: Willkommen in den 90ern!

Tipp: Investieren Sie heuer in kreative Menschen, die sie bei der Aufbereitung ihres Werdegangs als geniales Storyboard oder einer aussagekrĂ€ftigen Infografik unterstĂŒtzen.

Die Machart selbst darf durchaus einen unperfekten Touch versprĂŒhen. Weniger Konstrukte, mehr RealitĂ€t. Das gilt ĂŒbrigens auch fĂŒr Gesichtsfilter, die ebenfalls eine (hoffentlich lange) Pause einlegen. Bei aller AbhĂ€ngigkeit von modernen Technologien wollen wir auf Benutzerebene wieder mehr Persönlichkeit sehen und spĂŒren.

Unser Favorit: Als einzelne Designelemente sind Stickermotive im Memphis-Stil stark im Kommen, gepaart mit farbstarken HintergrĂŒnden und ein bisschen kindlicher Verspieltheit. Die 90er sind zurĂŒck!
Beispiel von Soumitro Sobuj via dribble

Webseite im 90er Jahre Stil. Symmetrisches Layout mit Rahmen und Stickermotiven im Memphis-Stil.

3) Farben: Ja, bitte!

Auf Websites, in Logos und auch Drucksorten dĂŒrfen wir wieder Farbe bekennen. 2022 entdecken wir die Naturtöne, die im Gegensatz zu den “zarten Erdtönen“ der letzten Jahre, Zuversicht und Neubeginn versprĂŒhen.

Aber bitte: Werfen Sie Ihr bestehendes Design nicht gĂ€nzlich ĂŒber Board. Smarte Webdesigner:innen raten zu ersten Experimenten auf Landing Pages, einer Event-Seite oder auf einem Banner in der Sidebar. Bei der Wahl einer belebenden Farbharmonie, die im Einklang mit Ihrem Corporate Design ist, hilft Ihnen das Kreativtalent, das sie schon fĂŒr Ihre Infografik engagiert haben.

4) Schriften: I (don`t) shut the Serif!

Zum eklektischen Stilmix bei Grafik- und Farbtrends gesellen sich 2022 auch noch leichtfĂŒĂŸige Serifenschriften wie Cinzel, Garamond oder Bodoni Moda fĂŒr Headlines und Zitate.

Der Trend der Hero Images* setzt sich auf diese Weise auf typografischem Weg fort, um unsere Aufmerksamkeit durch eine einzige, klare Ansage zu wecken. Machen Sie also Schlagzeilen und stöbern Sie dazu gerne mal in den passenden Google Fonts: https://fonts.google.com/?category=Serif

 blogbeitrag webdesigner wien 5

5) Integratives Webdesign

Barrierefreiheit mag fĂŒr viele schon Best-Practice sein. Der Trend zu kontrastreichen Farben, großen Texten und einer realitĂ€tsbezogenen Bildsprache macht es nicht nur Webdesigner:Innen leichter, sondern unterstreicht nun auch auf Designebene den Weg zum weltweiten Standard.

DiversitĂ€t und InklusivitĂ€t zeigen wir ab sofort selbstverstĂ€ndlicher. In Form von abwechslungsreichen Bildern, genderneutraler Sprache, LGBTQ+-freundlichen Suchanfragen u.vm. Wer sich intensiver mit dem Thema inklusiver und LGBTQ+-freundlicher Webseiten beschĂ€ftigen möchte – in KĂŒrze haben wir dazu einen eigenen Beitrag.

Fazit fĂŒr User:innen und Webdesigner:innen

Ehrliche Bilder, belebende Farben und edle Serifenschriften, kombiniert mit der Einfachheit symmetrischer Layouts bringen ein wichtiges Mehr an (gestalterischer) Freiheit – fĂŒr ALLE!

Wir freuen uns darauf!


Glossar:

*Onepager: Eine Webseite, die aus einem einzigem HTML-Link besteht.

*Parallax Scrolling: Parallax Scrollings werden, wie der Name sagt, mit der Scrollfunktion angesteuert. Dabei bewegen sich Elemente der Website unterschiedlich schnell. Meist ist ein Objekt im Hintergrund langsamer animiert als Bilder oder Grafiken im Vordergrund.

*Hero Image: Ein Hero Image ist ein großes Banner-Bild, das auffĂ€llig auf der Web-Seite platziert ist, meistens am Anfang, zentriert und die ganze Bildschirmbreite einnehmend. (Quelle: Wikipedia)

Titelbild: by Souimitro Sobuj via dribble

Wir arbeiten mit erfahrenen Webdesinger:innen zu sammen und behalten jeden Trend im Auge!